Predigt zum Gründonnerstag: Kultur der Fußwaschung gegen die Unkultur von Terror und Gewalt

Gründonnerstag 2016

Feier der Einsetzung des Abendmahls
Kirche St. Georg, Stuttgart
Pfr. Michael Heil

Liebe Schwestern und Brüder,

wir halten Ausschau auf das, was an diesem Abend geschehen ist. Es ist jener letzte Abend, an dem Jesus mit seinen Freunden zusammen ist. Jesus weiß, dass seine Stunde gekommen ist. Er legt seine ganze Liebe in zwei Handlungen: in die Fußwaschung und in das Mahl. Beide Handlungen sind ein Zeichen für die Gemeinschaft mit ihm und miteinander. Beide Handlungen sind mit einem konkreten Auftrag an seine engsten Freunde verbunden: „Tut das!“, „Handelt, wie ich an Euch gehandelt habe!“

Die Fußwaschung ist in der Antike ein verbreiteter Brauch, wenn Gäste ins Haus kommen. Der Hausherr empfängt den Gast und delegiert an den Diener: Reinige die Füße des Gastes. Jesus selbst sind wenige Tage zuvor von Maria aus Betanien die Füße mit ihren Tränen „gewaschen“, mit ihren Haaren getrocknet und mit Nardenöl gesalbt worden. Jetzt verkehrt Jesus dieses Zeichen: er selbst macht sich zum Diener aller, zum Knecht des Hauses. Er kniet sich als Herr und Meister hin und wäscht wie ein Diener die Füße.

So verstehen wir auch die ablehnende Haltung des Petrus. Er will nicht, dass der Herr ihm die Füße wäscht. Es ist doch die Aufgabe des Dieners. Er durchschaut dieses wertvolle Zeichen Jesu nicht. Aber es gilt: Um mit Jesus Gemeinschaft zu haben ist es nötig, sich von ihm Gutes tun, sich lieben zu lassen. Das wird bei Petrus deutlich. Als er zurückscheut: „Nie darfst Du mir die Füße waschen“, hält Jesus entgegen: „Dann hast Du keinen Anteil an mir“ – dann fehlt zwischen Dir und mir eine entscheidende Verbindung. Erst wer sich beschenken lassen hat, kann selbst – nach dieser Erfahrung- andere beschenken. Dies ist der Auftrag an uns: Halten wir die Kultur der Fußwaschung, die Kultur, der Liebe und sich verschenkenden Mitmenschlichkeit der Unkultur von Terror, Hass und Gewalt entgegen!
So verstehen wir den Auftrag Jesu richtig: Zum Ende der Fußwaschung gibt er den Auftrag: „Auch Ihr sollt einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich Euch gegeben, damit auch Ihr tut, wie ich Euch getan habe.“

Im Abendmahlsaal gibt Jesus seinen Freunden sein Neues Gebot, die gegenseitige Liebe: „Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt.“ Wenn wir die Szene anschauen, können wir Jesus fast sagen hören: „Traut auch ihr euch! Traut es euch zu! Ihr könnt es! Setzt euch zu den Füßen der Menschen. Hört, was sie klagen. Tut ihnen Gutes! Macht den ersten Schritt im Dienen, im Aufeinanderzugehen, im Wohlwollen. Da gibt es für uns noch eine Menge zu lernen. Oft haben wir Angst, in die Nähe der Menschen zu gehen. Oft sind wir so halbherzig, wir sind zögerlich statt großzügig. Im Grunde sollten Christen Spezialisten des Gutes-Tun sein.

 

Auf das Innigste verbunden

Jesus wusste, dass es das letzte Mahl mit seinen Freunden war. Es war vor dem Paschafest. Bis zum heutigen Tag feiern die Juden das Paschamahl als Erinnerung an die Befreiung aus der Knechtschaft aus Ägypten. In der ersten Lesung hörten wir vorher davon. Der Hausvater nimmt das Brot, bricht es und reicht es allen. Alle, die das Brot bekommen, haben Gemeinschaft miteinander und wissen, dass Gott rettet, wie damals aus Ägypten. Die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Paulus in der zweiten Lesung berichten: Auch Jesus nimmt das Brot und reicht es seinen Freunden. Das bin ich. „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“. Am Tag darauf löst er die Hingabe am Kreuz ein.

Und er nimmt den Kelch, reicht auch ihn. „Das ist der Kelch des Neuen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird, zur Vergebung der Sünden.“ Es fließt für uns am Karfreitag. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.

 

Dies feiern wir nun! In seinem Namen! In seinem Auftrag.