„Eine solche Kirche hat Jesus sicher nicht gewollt“

Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes fordert im Interview Aufklärung darüber, welche Bischöfe sich an der Missbrauchsstudie nicht vollumfänglich beteiligt haben. Er plädiert für schonungslose Aufklärung und die Öffnung des Zölibats.

Herr Hermes, als Sie die aktuelle Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche gelesen haben, wie erging es Ihnen da?

Ich war und bin schockiert, traurig, enttäuscht, auch wütend – wie viele andere in und außerhalb der Kirche. Das Ausmaß an kranken Verbrechern, die sich durch Weihe und Amt nicht nur geschützt fühlten, sondern dort offenbar noch besonders günstige Voraussetzungen gefunden haben, Kindern Leid anzutun, ist erschreckend. Gerade auch ganz engagierte Kirchenmitglieder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr betroffen und verunsichert, nicht zuletzt weil wir hier Dimensionen sehen, bei denen niemand mehr von „bedauerlichen Einzelfällen“ sprechen kann, weder was den Missbrauch noch was das Versagen der Institutionen angeht.

Haben die Erkenntnisse der von der Deutschen Bischofskonferenz beauftragten Studie eine neue Qualität im Vergleich zu vorangegangenen Studien?

Zunächst war es richtig und wichtig, die MHG-Studie zu beauftragen, auch wenn und gerade weil sie uns jetzt schonungslos die Lage vor Augen führt. Ich halte es für ungerecht, deren Seriosität zu diskreditieren, weil die Studie seitens der Bischöfe bezahlt und beauftragt wurde. Ich verstehe aber auch nicht, warum man nicht im Studiendesign sichergestellt hat, dass die Erkundigungen überall standardisiert, unabhängig und frei vom Verdacht der Einflussnahme eingeholt werden. Die Ergebnisse schockieren, weil sich über alle 27 Diözesen zeigt, welches Ausmaß sexualisierte Gewalt in der Kirche in der Vergangenheit und offenbar bis in die jüngste Gegenwart hatte. Dabei wissen wir über das Dunkelfeld ja noch wenig. Hier erhoffe ich mir insbesondere auch durch die Forschungen des Psychiaters und Traumaforschers Professor Fegert vom Kompetenzzentrum für Kinderschutz in Ulm weitere Aufklärung. Er kommt in repräsentativen Umfragen auf hohe Zahlen vor allem auch von älteren Menschen, die angeben, in der Vergangenheit Opfer sexueller Übergriffe durch Geistliche geworden zu sein. Es muss jetzt alles aufgearbeitet werden.

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Erntedank in St. Georg

Ein beeindruckender Gottesdienst, den die drei Gemeinden in St. Georg zum Erntedankfest miteinander gefeiert haben. Besten Dank an P. Jörg Widmann, SDB, der mich gestern vertreten hat. Die Bilder geben einen Eindruck von der Lebendigkeit unserer drei Gemeinden.

10 Jahre PragA: Grund zum Feiern

Eine voll besetzte Kirche ist ein Zeichen dafür, dass unsere Second-Hand-Boutique PragA eine Erfolgsgeschichte der Kooperation zwischen dem Caritasverband Stuttgart und der Katholischen Kirchengemeinde St. Georg ist.

Wir gratulieren Frau Tuband und ihrem Ehrenamtlichenteam von Herzen. Und wir laden zu einem Einkauf ein! 

Für die Kirchengemeinde St. Georg

Michael Heil
Pfarrer

Trauer um Pfarrer Emil Benk

Emil Benk war von 2003 bis 2017 Präses der KAB und somit geistlicher und seelsorglicher Begleiter innerhalb des Verbandes. Benk stammt aus Isny im Allgäu und wurde 1990 in Weingarten zum Priester geweiht. Nach seiner Priesterweihe war Benk Vikar in Münsingen und Ditzingen. Von 1994 bis 2005 war Emil Benk Pfarrer in Geislingen a.d. Steige. Von 2003 bis 2017 nahm er das Amt des Diözesanpräses der KAB wahr und war von 2005 bis 2014 zudem als Pfarrvikar in St.Fidelis/St. Maria in Stuttgart tätig sowie seit 2015 in Stuttgart-West/Botnang. Seit Herbst 2017 war er Pfarrvikar in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Nordstern (Stgt.-Zuffenhausen, Stgt.-Rot, Stgt.-Freiberg, Stgt.-Stammheim).

„Mich und viele Mitbrüder und Gläubige in Stuttgart, besonders in den Kirchengemeinden, in denen Emil Benk seelsorgerlich wirkte, hat sein tragischer Tod tief erschüttert“, so Stadtdekan Msgr. Dr. Christian Hermes. „Emil war ein geschätzter und den Menschen freundlich zugewandter Seelsorger, der uns sehr fehlen wird. Wir sind dankbar für seinen Dienst und vertrauen ihn im Gebet Gott an, der ihn berufen hat und auf den er vertraut hat.“

Das Requiem findet statt am Samstag, 1. September 2018, 13.00 Uhr, in der Kirche St. Peter und Paul in Isny-Beuren mit anschließender Beisetzung auf dem Friedhof Menelzhofen.

Wir feiern einen Gedenkgottesdienst am Freitag, 7. September 2018, 18.30 Uhr, in der Kirche Zur Hl. Dreifaltigkeit in Stuttgart-Rot.

Schöne Ferien und gute Erholung

Wir wünschen allen Gemeindemitgliedern und unseren Gästen eine gute und erholsame Ferienzeit.

Bitte beachten Sie die Ferienregelung im Gemeindebrief.

Für das Pastoralteam:
Pfr. Michael Heil

Predigt zum Hochfest Petrus und Paulus (Pfr. M. Heil)

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder!

ist es nicht merkwürdig, dass wir am 29. Juni der beiden Apostel Petrus und Paulus gedenken, obwohl sie doch, wie wir in der Bibel nachlesen können, so grundverschieden waren, dass sie hätten wohl kaum zusammen arbeiten können?

 

Petrus und Paulus – was für ein Gegensatz!

Blicken wir auf die beiden Personen: Petrus war ein einfacher Mensch, unkompliziert. Ein Fischer, der sein Boot, seine Arbeit und den See Genezareth kennt, ein bodenständiger Mensch, würden wir sagen. Paulus hingegen war ein gewandter und gebildeter Weltmensch, der sogar schon zu seiner Zeit größere Reisen unternommen hat. Vielleicht auch ein Träumer, ein Idealist, einer mit großen Visionen. Petrus war verheiratet, Paulus ehelos. Petrus bezeichnet man eher als konservativ, vorsichtig, keine Experimente wagend. Tradition ist ihm heilig. Wohl ein klassischer Vertreter des kirchlichen Amtes. Er wird ja auch der „erste Papst der Kirche“ genannt. Paulus dagegen hat den Mut, auch neue Bahnen zu beschreiten. Er ist progressiv, weltoffen. Selbst anerkannte Konventionen gibt er auf, wenn sie der Sache im Wege stehen. Paulus betreibt ein grandioses „Aggiornamento“. Er reißt die Fenster der engen Vorstellungen auf und will möglichst vielen Menschen die Heilbotschaft Jesu Christi zugänglich machen. Schon diese ersten Gedanken zeigen:

Petrus und Paulus sind so unterschiedlich, wie zwei Menschen auch nur sein können. Die beiden sind ein beispielhafter Gegensatz.

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